Montag, 26. März 2012

Heute vor genau fünf Jahren klingelte das Telefon.
„Papa ist gestorben.“
Mir fiel nichts besseres ein als „Wirklich?“. Natürlich wusste ich, dass meine Mutter keine Witze macht. Natürlich wusste ich, dass diese Nachricht jeden Tag kommen könnte. Aber selbst die jahrelange Gewissheit der Diagnose, der rapide Abfall seines Zustands vor allem in den letzten beiden Jahren, die ewige Auseinandersetzung mit dem Thema ließ diesen Moment doch erschreckend surreal wirken.
„Wirklich?“
Die Sonne schien, genau wie heute. Doch meine Welt wurde schwarz.
Ich konnte mir keine Vorwürfe machen. Es war alles gesagt. Wir haben uns voneinander verabschiedet. Meine ganze Jugend lang.
Genau genommen habe ich mit ihm nie über seine Krankheit, seinen Tod gesprochen. Dafür sind, dafür waren wir beide nicht der Typ. Was nicht heißt, dass man sich etwas vorgemacht hätte. Ich saß oft stundenlang an seinem Bett, ganz unverbindlich haben wir uns über die Welt unterhalten. Ganz unverbindlich hat er sie mir erklärt. Wie das ein Vater nun mal tut, ob er im Sterben liegt oder nicht. Ganz unverbindlich habe ich ihm gesagt, dass ich ihn liebe, bis bald. Wie das ein Sohn nun mal tut.
Wie schrecklich muss ein plötzlicher Tod sein, wenn ich selbst schon an Diesem zerbrochen bin.
Aber man kann den Tod in seiner Endgültigkeit nicht relativieren. Er ist immer scheiße. So scheiße, dass einem die meiste andere Scheiße, die einem widerfährt, ziemlich egal vorkommt. Das ist vielleicht das einzige, was er bringt. Alles andere nimmt er.
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